Philosophie

Genesungsbegleitung und Betroffenen-Arbeit (Peer-Support)

„Du kannst meine Reise erst verstehen, wenn du eine Meile in meinen Schuhen gelaufen bist.“
(Indianisches Sprichwort)

Die englische Abkürzung EX-IN steht für Experienced Involvement und meint die Beteiligung von Psychiatrieerfahrenen am Genesungsprozess von Menschen mit seelischen Problemen.

Genesungsbegleitung oder Betroffenen-Arbeit (Peer-Support) basiert darauf, dass Menschen, die seelische Krisen selbst durchlebt und erfolgreich gemeistert haben, über eine wertvolle Lebenserfahrung und hilfreiches Wissen verfügen, wie sie anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen können.

GenesungsbegleiterInnen oder Betroffene können sich in ihre Peers (Ebenbürtige) einfühlen, weil sie die Tiefen des Lebens kennen, aber nach dem Sturz wieder aufgestanden sind und sich wieder hoch gekämpft haben. Sie sind Hoffnungsträger und haben eine motivierende Wirkung auf andere Betroffene.

EX-IN oder Peer-Support ist ein wechselseitiger Lernprozess zwischen den Betroffenen und ihren Begleitern, der stets auf Augenhöhe geschieht. Genesung ist dabei nicht gleichzusetzen mit endgültiger Heilung, sondern wird als eine Möglichkeit gesehen ein zufriedenes Leben trotz seiner Krankheit zu führen (Recovery-Prinzip).

Da GenesungsbegleiterInnen ihre Erfahrungen reflektiert und sich Handwerkszeug erarbeitet haben, um andere Betroffene begleiten zu können, unterstützen sie diese dabei (wieder) zu entdecken, was ihnen gut tut (Salutogenese). Durch die Aktivierung individueller Ressourcen und Fähigkeiten sorgen sie dafür, dass die Betroffenen wieder erstarken und ihr Leben selbst in die Hand nehmen (Empowerment).