Grundlagen der Genesungsbegleitung

Grundlagen der Genesungsbegleitung

Die wichtigsten Grundprinzipien der Genesungsbegleitung sind Respekt, die Hoffnung auf positive Veränderung (Recovery), die Ermunterung zur Verantwortungsübernahme (Empowerment) sowie eine andauernde gegenseitige Verständigung darüber, was hilfreich ist (Salutogenese).

Auswahl einiger Grundsätze der Genesungsbegleitung:

    • Wahrnehmung und Förderung individueller Ressourcen und Fähigkeiten:
      Genesungsbegleiter und Betroffene haben einen Blick für Gesundheit, für zu stärkende Anteile oder Tendenzen. Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und Ressourcen. Deswegen ist Genesung individuell und jeder Genesungsweg anders.

 

    • Unterstützung von Selbstbestimmung und Förderung der Verantwortungsübernahme für das eigene Leben:
      Jeder Mensch kann selbst Verantwortung übernehmen und an allen Entscheidungen, die ihn betreffen, beteiligt sein. Aus diesem Grund unterstützen Genesungsbegleiter die Selbstbestimmung und Wahlfreiheit der Betroffenen. Jeder Mensch weiß, was hilfreich für ihn ist.

 

    • Lernen auf Gegenseitigkeit und Augenhöhe:
      Kommunikation auf Augenhöhe durch Menschen, die die Situation der Betroffenen aus eigener Erfahrung nachvollziehen können. Trialogisches Krankheitsverständnis – Sichtweisen von Betroffenen werden bewusst wahrgenommen und aufgewertet.

 

    • Verständnis, dass Konflikte und Krisen ein Weg zum Wachstum sind. Verständnis, dass seelische Erschütterungen einen Sinn haben:
      Krankheit verändert den Betroffenen. Genesung bedeutet nicht wieder wie vor der Erkrankung zu sein.

 

    • Empathie und Verantwortung:
      Genesungsbegleiter können sich in andere Betroffene einfühlen, weil sie den emotionalen Schmerz sowie das Gefühl von Verlust und Hoffnungslosigkeit kennen, aber auch den Prozess durchlaufen haben, das Leben nach der Krise neu anzugehen.

 

    • Überzeugung, dass Genesung / Recovery für jeden möglich ist:
      Genesung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich. Jeder Mensch hat das Potential zur Genesung.

 

    • Gegenseitige Wertschätzung und Hoffnung durch vorgelebte Genesung:
      Menschen mit eigener Krankheitserfahrung machen Mut durch ihre bloße Existenz. Sie verkörpern die Hoffnung auf Gesundung und bieten so eine Zielorientierung und eine Identifikationsmöglichkeit. Genesung ist mit, ohne oder trotz professioneller Hilfe möglich.

 

    • Offenheit durch ehrliche und direkte Kommunikation und flexiblen Grenzen:
      Genesungsbegleiter finden einen schnelleren Zugang zu anderen Betroffenen durch professionelle Nähe und einen offenen Umgang mit der eigenen Erkrankung. Die Erkenntnis des Genesungsbegleiters, dass es wichtig ist, sich seine Probleme einzugestehen und Hilfe anzunehmen wird an die Betroffenen weitergegeben.

 

    • Inklusive Grundhaltung:
      Eine Behinderung ist eine Bereicherung für das gesellschaftliche Miteinander. Genesungsbegleitung ist eine Chance Benachteiligten eine aktive Teilhabe zu ermöglichen.